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Schutzmaßnahmen für die Warane Mikronesiens fordern und Ausrottungspläne ad acta legen

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27.05.2020
Zwei neu entdeckte Waranarten der mikronesischen Inselwelt sind ursprünglich einheimisch und wurden nicht aus anderen Regionen eingeführt. Derzeitige Ausrottungspläne auf der Basis falscher Annahmen müssen daher überdacht werden. Es wird derzeit vornehmlich angenommen, dass die Warane, die auf den abgelegenen Inseln Mikronesiens vorkommen, durch den Menschen dort eingeschleppt wurden. Daher werden sie häufig als invasive Schädlinge angesehen, die eine Bedrohung für einheimische Tierarten darstellen. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass dies falsch ist. Tatsächlich konnten die Pazifik-Warane vor mehreren Hunderttausend Jahren weite Meeresstrecken überqueren und diese Inseln auf natürliche Weise besiedeln. Dies war genug Zeit, dass sich zwei unterschiedliche Waranarten entwickeln konnten, die nirgendwo anders vorkommen. Anstatt sie auszurotten, bedürfen diese Warane eines eigenen Schutzstatus.

Mikronesische Warane: Einheimisch oder eingeführt?

Warane gehören zu den größten Reptilien. Ungefähr 80 Waranarten bewohnen von Afrika über Süd- und Südostasien bis nach Osten auf vielen der pazifischen Inseln die verschiedensten Ökosysteme von Wüsten bis hin zu Regenwäldern. Eine Gruppe, die Pazifik-Warane, war auf vielen abgelegenen Inseln des südwestlichen Pazifiks besonders erfolgreich. Es wird jedoch allgemein angenommen, dass diese am Rande Ihres Verbreitungsgebietes vorkommenden Waranpopulationen in der Vergangenheit absichtlich von Menschen eingeführt wurden. Daher werden sie vielerorts als invasive Schädlinge angesehen, die möglicherweise einheimische Tierarten dieser Inseln sowie Nutzgeflügel gefährden.

Eine neue Studie in der Zeitschrift Royal Society Open Science löst nun diese seit langer Zeit bestehende Frage, die praktische Konsequenzen für die Erhaltung dieser pazifischen Warane hat. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Dr. Valter Weijola von der Universität Turku (Finnland) und unter Mitwirken von Dr. André Koch vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn stellte fest, dass die Warane von Palau, den westlichen Karolinen und den Marianen zwei getrennte und endemische Arten darstellen, die am engsten miteinander verwandt sind. Ihre nächsten Verwandten sind zwei Arten aus den nördlichen Molukken und den Talaud-Inseln in Ost-Indonesien, was darauf hindeutet, dass die Besiedlung Mikronesiens aus dieser Region stattgefunden hat und vermutlich durch Meeresströmungen begünstigt wurde. Warane sind gute Schwimmer.

Eine neue Art und eine „wiederbelebte“ alte Art

Nachdem die mikronesischen Warane als eigenständige Arten erkannt worden waren, benötigten sie eindeutige wissenschaftliche Namen. Die Populationen auf den Marianen wurden bereits 1929 von Kyukichi Kishida, einem japanischen Entomologen, beschrieben, der sie Varanus tsukamotoi nannte, um seinen Kollegen Iwasaburo Tsukamoto zu ehren. V. tsukamotoi wurde lange Zeit jedoch als Synonym für den weit verbreiteten Pazifik-Waran (Varanus indicus) angesehen, da der ursprünglichen Beschreibung eine detaillierte Diagnose und ein Vergleich mit eng verwandten Arten fehlten. Basierend auf einer breiteren morphologischen Stichprobe und unterstützt durch einen molekularen Datensatz über die gesamte Gruppe der pazifischen Warane wurde der Name V. tsukamotoi nun für die Warane der Marianen revalidiert, das heißt „wiederbelebt“.

Die Warane von Palau, den Westlichen Karolinen und der Insel Sarigan wurden neu beschrieben und Varanus bennetti genannt. Der Hauptautor Valter Weijola erklärt die Benennung wie folgt: „Wir haben die neue Art unserem verstorbenen Freund und Kollegen Daniel Bennett gewidmet, um sein langjähriges Engagement für die Untersuchung und Erhaltung von Waranen in Afrika und Südostasien zu würdigen.“ Daniel Bennett (1966-2020) verbrachte den größten Teil seines Lebens damit, Warane zu erforschen und zu schützen. Er machte umfangreiche Feldstudien in Ghana sowie auf den Philippinen und hatte eine wichtige Rolle in der Waran-Expertengruppe (Monitor Lizard Specialist Group, MLSG) innerhalb der Weltnaturschutzorganisation IUCN. Dr. Koch ist Co-Vorsitzender der MLSG.

Schutzmaßnahmen anstatt Ausrottungspläne!

Aufgrund der historischen Vermutung, dass die Warane Mikronesiens nicht einheimisch seien und aufgrund ihrer Rolle als potentielle Bedrohung von Nutzgeflügel und endemischen Tierarten, wurden diese Reptilien von der einheimischen Bevölkerung häufig als entbehrliche Schädlinge angesehen. Daher wurden in der Vergangenheit einige Versuche unternommen, die Anzahl der Warane auf einzelnen Inseln auszurotten oder zumindest zu kontrollieren. Einige der mikronesischen Inseln östlich von Palau haben tatsächlich nicht einheimische Waranpopulationen, die wahrscheinlich im letzten Jahrhundert von Kolonialregierungen eingeführt wurden. „Unsere neue Erkenntnis, dass die Warane in weiten Teilen Mikronesiens jedoch endemisch sind, spricht für Vorsicht, wenn Ausrottungspläne in Betracht gezogen werden, um sicherzustellen, dass Populationen, die entfernt werden sollen, tatsächlich eingeführt wurden und nicht einheimisch sind. Die Erhaltung gesunder Populationen dieser Top-Räuber muss in Zukunft Priorität haben.“, erklärt André Koch. Warane sind wichtige Beutegreifer auf vielen pazifischen Inseln, da es dort keine anderen Raubtiere gibt.

                                                                                                                                                   

Publikation:

Weijola, V., V. Vahtera, A. Koch, A. Schmitz & F. Kraus (2020). Taxonomy of Micronesian monitors (Reptilia: Squamata: Varanus): endemic status of new species argues for caution in pursuing eradication plans. Royal Society open Science, 7(5): 200092.

Link zur Publikation:

http://dx.doi.org/10.1098/rsos.200092

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Valter Weijola (für englische Anfragen)

E-Mail: vsawei [at] utu.fi

Telefon: 00358505751096

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