Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig

ist ein Forschungsmuseum der Leibniz Gemeinschaft

Zygaenidae-Sammlung

Clas M. Naumann

Die Familie der Zygaenidae (Lepidoptera; deutsch: Blutströpfchen oder Widderchen) war die Spezialgruppe von Prof. Dr. Clas M. Naumann, dem langjährigen Direktor des ZFMK (1989-2004). Der Erforschung dieser tagaktiven Lepidopterenfamilie, insbesondere der Gattung Zygaena selbst, hatte er sein Leben gewidmet. Als Grundlage für seine wissenschaftlichen Arbeiten hat er im Laufe von über vier Jahrzehnten eine einzigartige Sammlung zusammengetragen, die sicherlich die bedeutendste Sammlung dieser attraktiven Schmetterlingsfamilie in Privathand war. Sie ist von einer seltenen Vollständigkeit, nur wenige Taxa fehlen, und ist reich an Typusexemplaren. Nach seinem Willen wurde sie im Juni 2004 dem Museum Koenig übereignet.

Die Sammlung umfasst etwa 100.000 präparierte Exemplare, die in über 400 Insektenkästen untergebracht und nach dem neuesten Stand der Systematik aufgestellt sind, ergänzt durch eine umfangreiche Dublettensammlung. C. M. Naumann hat auf unzähligen Auslandsreisen "seine" Zygaeniden gesammelt, wobei er meist sehr gezielt bestimmte, wenig bekannte Arten mit unerforschter Biologie zu finden versuchte. Lange verschollene Arten weckten sein besonderes Interesse. Oft war eine ganze Forschungsreise einer einzigen Art gewidmet und meist gelang ihm der erste Wiederfund nach Jahren oder Jahrzehnten. Es befriedigte ihn jedoch nicht, Exemplare dieser seltenen Arten für seine Sammlung zu fangen, sondern sein Hauptaugenmerk war stets auf die Aufklärung der meist noch völlig unbekannten Lebensweise dieser Tiere gerichtet. Die Nahrungspflanze der Raupen wurden im Gelände durch Beobachtung eierlegender Weibchen ermittelt, die schlüpfenden Raupen mit erheblichem Aufwand gezüchtet. In der Sammlung zeugen hiervon die unzähligen biologischen Belege, wie z.B. Puppenkokons, die so selbstverständlich wie die Falter selbst genadelt und ausführlich etikettiert wurden. Es existieren auch über 20 Kästen mit Parasitoiden, die aus im Freiland gesammelten Raupen schlüpften, ein wertvoller Fundus für Hymenopteren- und Tachiniden-Spezialisten. Sicherung der genauen Funddaten war stets ein wichtiges Anliegen und wurde von C. M. Naumann mit großer Sorgfalt erledigt. So sind alle Falter der Sammlung mit ausführlichen, gedruckten Fundortetiketten versehen. Falter und Zuchten wurden natürlich auch fotografisch dokumentiert, Bilder und Zuchtergebnisse in zahlreichen Publikationen verarbeitet. Während seiner Reisen nach Marokko, in die Türkei, den Iran und viele andere Länder, aber vor allem während seines dreijährigen Aufenthaltes in Afghanistan entdeckte C. M. Naumann eine Vielzahl neuer Unterarten und auch einige neue Arten, die er in über hundert wissenschaftlichen Arbeiten neu beschrieb. Die hierbei von ihm festgelegten Typusexemplare befinden sich überwiegend in seiner Sammlung: 32 Holotypen und etwa 5400 Paratypen neuer Arten und Unterarten. Weiteres Typenmaterial gelangte auf dem Tauschwege oder durch Ankauf in die Sammlung, viele berühmte Namen älterer Autoren und zeitgenössischer Zygaeniden-Spezialisten zieren den kürzlich fertiggestellten Typenkatalog: Burgeff, Sheljuzhko, Reiss, Koch, Holik, Alberti, Wiegel, Tremewan und andere, sogar Paratypen "klassischer" Autoren wie Boisduval, Herrich-Schäffer, Mabille, Oberthür, Poujade, Rothschild und Staudinger finden sich, ein weiterer Beleg für den herausragenden wissenschaftlichen Wert der Zygaenidae-Sammlung Clas M. Naumann.

 

Naumann_Sammlung_Zygaenidae

 



Besonderheiten aus der Naumann-Sammlung: 

  • Zygaena (Mesembrynus) halima Naumann, 1977, aus Afghanistan. Holotypus und einziges Exemplar weltweit;  
  • Zygaena (Agrumenia) pamira shugnana Naumann 1978, Paratypus. Die "höchste Zygaene der Welt" lebt in über 4000m Höhe in den zentralasiatischen Gebirgen.
  • Zygaena (Z.) problematica Naumann, 1966, Paratypus. Die erste von C. M. Naumann beschriebene Zygaenen-Art, aus der Südtürkei.
  • Zygaena (Agrumenia) storaiae Naumann 1974, Paratypus. Diese Art aus Afghanistan benannte C. M. Naumann nach seiner Frau, Dr. Storai Naumann-Nawabi.