Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig

ist ein Forschungsmuseum der Leibniz Gemeinschaft

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Im Zwischenreich

Petrografiken von Michael Raith

Reiter

Info
Laufzeit: 
06.10.2020 bis 29.11.2020
Ort: 
Cafeteria
Austellungsart: 
Kunstausstellung

Dem neugierigen Betrachter eröffnet die Ausstellung im Museum Koenig eine unbekannte faszinierende mineralische Bildwelt, deren unglaublicher Reichtum an Farben, Strukturen und motivischer Vielfalt nur staunen lässt, und die jenseits der wissenschaftlichen Botschaft vielfältigste seelische Empfindungen auslöst. Unvermittelt entstehen so Bilder, die mal heiter und traumhaft, mal ernst und tiefsinnig, den vielfältigen Erfahrungen menschlicher Existenz Ausdruck geben; ganz der Aussage Paul Klee’s folgend: ‚Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern sie macht sichtbar‘.

ZUR ENTSTEHUNG DER PETROGRAFIKEN

Geowissenschaftler untersuchen festes Probenmaterial (Minerale, Gesteine, Erze, Werkstoffe) vor dem Einsatz hochentwickelter Analyseverfahren zunächst mit dem Polarisationsmikroskop. Die mikroskopische Bearbeitung hat den Vorteil, leistungsstark, kostengünstig und zeitsparend zu sein. Ihre Stärke ist außerdem die zerstörungsfreie und relativ hochauflösende Charakterisierung der Materialeigenschaften (Phasenbestand, Gefüge).

Die Untersuchung im Durchlichtmikroskop erfolgt an hauchdünnen, feingeschliffe-nen oder polierten Probenscheibchen (Dünnschliffe). Viele Materialien werden dann lichtdurchlässig, so dass bei Betrachtung im Hellfeld feine Strukturen (Korngrenzen, Spaltbarkeiten, Risse) und Farberscheinungen sichtbar werden, die dem bloßen Auge verborgen bleiben (Bild 1). Bei Betrachtung des Dünnschliffs zwischen zwei senkrecht zueinander orientierten Polarisatoren treten infolge des häufig optisch anisotropen Verhaltens der Minerale vielfältigste Interferenzeffekte auf. Sie lassen das Korngefüge in unterschiedlichen Interferenzfarben erscheinen (Bild 2). Durch Einfügen von optischen Hilfsobjekten (Lambda-Platte, Lambda/4-Platte, Quarzkeil,) in den Strahlengang des Mikroskops entstehen weitere mineral-spezifische Interferenzfarbeffekte (Bild 3).


Grundlage der Bildgestaltung bilden hochaufgelöste Mikrofotos. Im eigenen Fall werden sie mit der Spiegelreflexkamera Canon EOS 70D aufgenommen, die über einen hochwertigen Adapter (ASKANIA, Mikroskop Technik Rathenow) an den Phototubus des Polarisationsmikroskops LEICA DMLP angekoppelt ist. Die digitale Nachbearbeitung und künstlerische Verfremdung der Mikrofotos erfolgt mit dem Programm Adobe Photoshop Professional. Objekte der Mikrofotografie sind ganz überwiegend Dünnschliffe von verschieden-sten Gesteinen, seltener von technischen Materialien oder Syntheseprodukten. Sie stammen aus dem großen Fundus eigenen Forschungsmaterials sowie den Lehrsammlungen Mineralogischer Institute (Bonn, Clausthal, Marburg, Kiel).

MICHAEL MARTIN RAITH

*1940 in Madrid
seit 2005 emeritierter Professor am Institut für Geowissenschaften der Universität Bonn

Der Schwerpunkt seiner Forschung galt dem inneren Aufbau und der Evolution präkambri-
scher Erdkruste, insbesondere den in der Tiefe ablaufenden gesteinsbildenden Prozessen. Ausgedehnte Reisen führten ihn auf die Kola Halbinsel, nach Lappland, Grönland, Sri Lanka, Madagaskar und immer wieder nach Indien.

Die intensive mikroskopische Bearbeitung vielfältigster Geomaterialien im Laufe eines langen Berufslebens weckte schon früh seine Begeisterung für die faszinierende Bildwelt
eines verborgenen Mikrokosmos. Dabei geht es ihm weniger um die Reproduktion rein ästhetischer Mikrofotos als vielmehr um das Aufspüren und Gestalten von Motiven, die inneren Stimmungen und Botschaften Ausdruck geben. Leitmotiv ist ihm dabei die Aussage Paul Klee‘s „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder; sie macht sichtbar.“

Die enormen Möglichkeiten digitaler Mikrofotografie und Bildbearbeitung haben entscheidend dazu beigetragen, aus der künstlerischen Neigung eine Passion werden zu lassen.

 

Pressekontakt

Sabine Heine
Pressesprecherin

Tel.: +49 (0)228 9122 215
Fax: +49 (0)228 9122 213
E-Mail: s.heine [at] zfmk.de

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