Mittwoch, 19.10.11 um 19.00 Uhr
Vortrag als Begleitprogramm der Sonderausstellung "Darwin Meets Business" im zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig.
Stark wasserabweisende ("superhydrophobe") technische Oberflächen sind wegen ihrer einzigartigen Eigenschaften nicht nur von größtem wissenschaftlichen, sondern auch ökonomischen Interesse. Dabei stammen die faszinierendsten Oberflächen nicht aus der Industrie, sondern haben sich in Jahrmillionen in der Natur, bei Pflanzen und Tieren, entwickelt. Die Blätter der Lotusblume zum Beispiel besitzen auf der Oberseite kleinste Micro- und Nanostrukturen. Zusammen mit den chemischen Eigenschaften der Oberfläche machen sie das Blatt wasserabweisend und damit auch selbstreinigend. Das zugrundeliegende Prinzip wurde auf technische Oberflächen übertragen und seit den späten 90er Jahren für Produkte wie Fassadenfarben oder Dachziegel entwickelt.
Während die wasserabweisenden und selbstreinigenden Eigenschaften bereits gut untersucht und verstanden sind, wurden die Luft haltenden Eigenschaften solcher Oberflächen unter Wasser bisher vernachlässigt. Erst kürzlich eröffnete sich das beeindruckende Potential solcher Oberflächen für die Schifffahrt: ein Schiff mit einer Luft haltenden Oberfläche am Rumpf würde nicht durch das Wasser fahren, sondern über den Luftfilm gleiten. Die Reduktion der Reibung des Wassers an der Schiffswand und damit auch die Treibstoffeinsparung wären hierbei gewaltig. Das Vorbild hierfür ist der Schwimmfarn "Salvinia", der beim Untertauchen an seiner Oberfläche einen stabilen Luftfilm ausbildet und diesem auch über lange Zeit unter Wasser hält. Die ersten technischen Prototypen sind bereits in der Lage, einen Luftfilm über mehrere Wochen zu halten. Bei einem ersten Testschiff konnte eine Reduktion der Reibung von bis zu 10% gemessen werden.
Von Prof. Dr. Wilhelm Barthlott, Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen, Universität Bonn
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