Vom 17. - 19.11.2006 werden Wissenschaftler aus aller Herren Länder eine Tagung einer einzigen Art widmen, dem erfolgreichsten Landreptil der Erde: der Waldeidechse. Lebensräume, Biologie und Die Beziehung zu den nächst verwandten Arten sind spannende Themen.
Als das erfolgreichste Landreptil der Welt gilt die in Deutschland einheimische Waldeidechse, mit wissenschaftlichem Namen
Zootoca vivipara. Die höchstens 16 cm lange Eidechse hat unter allen Reptilien - von den Meeresschildkröten der Ozeane einmal abgesehen - das weltweit größte Artareal, das von Westspanien quer durch Eurasien bis nach Japan reicht! Die Nord-Süd-Erstreckung reicht von der Po-Ebene im Süden bis zum Nordkap, was sie auch zum nördlichsten Reptil macht. Und, um die Superlative fortzusetzen: Sie kann als einziges Reptil so weit nach Norden vorstoßen und sogar auf Dauerfrostböden existieren, weil sie ihrem Blut Glykol als Frostschutzmittel beimischen kann.
Ihr wissenschaftlicher (griechisch-lateinischer) Name bedeutet "lebendgebärende Lebendgebärerin" und bezeichnet eine weitere Fähigkeit, in kalten Klimaten zu überleben: Statt ihre Eier im Boden zu vergraben und sie der Sonnenwärme anzuvertrauen, kann sie sie im Körper zurückhalten und bis zu deren Schlupfreife der Sonne quasi hinterherlaufen, so dass die Jungen im Moment der Eiablage bereits aus der transparenten hauchdünnen Eihülle schlüpfen und sofort danach ein selbständiges Leben führen müssen.
Im Gebiet der Pyrenäen legen die Tiere allerdings normale beschalte Eier. Erst seit kurzem wurde bekannt, dass es eierlegende Waldeidechsen auch in Slowenien, Kärnten und Oberitalien gibt, die aber mit den Nordspaniern nicht näher verwandt sind. Gründe genug also, sich in einem internationalen Symposium über neueste Forschungen an dieser faszinierenden Eidechsenart auszutauschen.
Erwartet werden Teilnehmer aus unseren Nachbarländern, aber auch aus Lettland, Russland und der Ukraine.
Aufgrund der vielen Superlative unserer kleinen Waldeidechse wurde sie von der DGHT im Frühjahr zum "Reptil des Jahres 2006" ausgerufen, um auf ihre vielen Besonderheiten und auf ihre Schutzwürdigkeit hinzuweisen. Dabei zeigte sich, dass eine kuriose Verbindung des "Reptils des Jahres 2006" mit dem Mozartjahr 2006 besteht! Der erste Entdecker unserer Eidechse, der 1787 auch als erster an ihr das namensgebende Gebären lebender Junge bei einem Reptil überhaupt entdeckte, war der Wiener Botaniker Josef Franz von Jacquin. Das Haus der Familie von Jacquin war ein kultureller Mittelpunkt des damaligen Wien, und auch Wolfgang Amadeus Mozart ging dort ein und aus. Als enger Freund der Familie erteilte er einem Bruder und der Schwester unseres Botanikers Musikunterricht und widmete allen Familienmitgliedern eigens für sie geschaffene Kompositionen; unserem Botaniker einen kunstvollen Doppelkanon.
Der Organisator des Symposiums von Seiten des Museum Koenig lässt es sich nicht nehmen, diesen Kanon zusammen mit einigen seiner Chorkollegen den Tagungsteilnehmern am geselligen Abend des Symposiums live zu Gehör zu bringen.
Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig veranstaltet gemeinsam mit der Universität Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) e.V. dieses internationale und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Symposium über eine einheimische Eidechsenart.
Programm
Fr. 17.11.06
14.30: Eröffnung, Grußworte
WOLFGANG BÖHME, Bonn
Introduction to the current research fields colonized by
Zootoca vivipara
15.00:
I. Phylogeography and Systematics
J. SCHMIDTLER & W. BÖHME, München / Bonn
Überraschende Erkenntnisse zur nomenklatorischen Geschichte der Berg- oder Waldeidechse, nunmehr Zootoca vivipara (Schultze in Lichtenstein, 1823)
15.30 WERNER MAYER, Wien
Zur Phylogeographie von Zootoca vivipara
16.15 LARISSA KUPRIJANOVA, St. Petersburg
Karyotype dispersal in the marginal populations of two different forms of Zootoca vivipara from the secondary contact zone at the baltic sea basin.
16.45 Kaffeepause
17.15
II. Verbreitung und Habitatökologie
VASILIY TABACHISIN
Distribution and ecology of Zootoca vivipara in the north of the lower Volga region
17.30 ANDRIS CEIRANS, Riga
Habitat preferences and distribution of Zootoca vivipara in Latvia
18.00 BERND RÜBLINGER, Giessen
Zufallsstichprobenerfassung zur Klärung der Situation der Waldeidechse in Hessen
Ab ca. 18:45 Informal get-together im Museum Alexander Koenig
Sa. 18.11.06
9.00: MICHAEL BUßMANN & MARTIN SCHLÜPMANN, Gevelsberg/Oberhausen:
9.00: MICHAEL BUßMANN & MARTIN SCHLÜPMANN, Gevelsberg/Oberhausen:
Verbreitung, Bestand und Ökologie der Waldeidechse in Nordhein-Westfalen.
9.30 RICHARD PODLOUCKY, Hannover:
Zwischen Nordsee und Hochharz - Bemerkungen zu Verbreitung, Lebensräumen, Gefährdung und Schutz der Waldeidechse in Niedersachsen
10.00 HUBERT LAUFER, KLEMENS FRITZ & MICHAEL WAITZMANN Offenburg / Freiamt / Karlsruhe
Verbreitung und Lebensräume der Waldeidechse in Baden-Württemberg
10.30: Kaffeepause
11.00: WOLFGANG VÖLKL, Seybothenreuth
Habitatstruktur, Populationsdichte und Bestandsentwicklung der Waldeidechse in ostbayerischen Mittelgebirgen
11.30 WERNER MAYER, Wien
Die Bergeidechse in den Ostalpen - innerartliche Diversität, potenzielle glaziale Refugialräume und postglaziale Besiedlung
12.15: Mittagspause
14.00:
III Ökologie und Populationsbiologie
HenK STRIJBOSCH, Nijmegen
Fluctuation in numbers in a Zootoca vivipara population
14.30 SYLVIA HOFMANN, Halle
Who is sitting next to me? Relatedness in a population of common lizards
15.00 KURANOVA,V.N., PATRAKOV S.V., KRECHETOVA O.A., BARANOVSKAJA N.V. Tomsk
Ecological and population peculiarity, interspecific relations of the Lacertid lizards - Zootoca vivipara and Lacerta agilis within sympatry zone of habitat.
15.30: Poster & Kaffee
16.30 öffentl. Mitgliederversammlung der AG Feldherpetologie. Darin u. a.
DETLEF KÜHNEL, Berlin
Zum Stand der Neufassung der Roten Liste der Amphibien und Reptilien der Bundesrepublik Deutschland Diskussion zur Roten Liste
ab ca. 18.30 Abendprogramm
Der kurze Weg von der Bergeidechse zu Mozart
So. 19.11.06
9.30:
VI Gefährdung und Schutz
DIETER GLANDT, Ochtrup
Gefährdung und Schutz der Waldeidechse ---- Was kann man für die Art tun?
10.15 FRANS KUENEN, Nijmegen
The situation of Zootoca vivipara in the Netherlands
10.45: Kaffeepause
11:15 STEFFEN TEUFFERT & MICHAEL WERNER Bischofswerda
"Habitatmanagement für Waldeidechsen in der Praxis: Resultate aus Gärten und Grünbrücken"
11.45 DIMITRY SEMENOV
The Common lizard, Zootoca vivipara, as a model species for bioindication and biomonitoring
12.15: Resumee und Abschluss des Symposiums
Prof. Dr. W. Böhme (
w.boehme.zfmk@uni-bonn.de, Zoologisches Forschungmuseum Alexander Koenig, Adenauerallee 160, D-53113 Bonn)
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