Zeit: 06.05.2010, 18.15 Uhr
Die Phylogenie der Holometabola - ein innovativer morphologischer Ansatz
Mit ca. 800.000 Spezies umfassen die Holometabola etwa die Hälfte aller bekannten Organismenarten. Trotz zahlreicher phylogenetischer Arbeiten sind die Verwandtschaftsbeziehungen der "Ordnungen" nach wie vor unzureichend geklärt. In unserem Projekt haben wir den bislang mit Abstand umfangreichsten morphologischen Datensatz für die Gruppe zusammengestellt und analysiert. Die Erhebung und Dokumentation von anatomischen Daten konnten durch eine effiziente Kombination von µ-Computertomographie mit anderen Techniken optimiert werden. Die Analyse von 356 Merkmalen von allen Stadien hat unter anderem ein Schwestergruppenverhältnis zwischen den Hymenoptera und allen übrigen Gruppen ergeben, ein die Coleoptera und Strepsiptera umfassendes Monophylum, sowie die Monophylie der Mecoptera im traditionellen Sinne. Unser Ergebnis weicht stark von auf ribosomalen RNA-Sequenzen beruhenden Resultaten ab, stimmt aber weitestgehend mit aktuellen Hypothesen überein, die auf proteincodierenden Kerngenen basieren. Die Fähigkeit, als Larven und Imagines unterschiedliche Habitate und Ressourcen zu nutzen, ist möglicherweise eine der Grundlagen für die starke Entfaltung der Holometabola. Weitere Faktoren, die zum evolutiven Erfolg in verschiedenen Linien beigetragen haben könnten, sind ein besonders gutes Flugvermögen, Parasitismus, Ernährung von flüssigen Substraten und die Ko-Evolution mit den Blütenpflanzen. Morphologie mit innovativem Ansatz kann auch im "Zeitalter der Phylogenomik" in der Systematik eine vitale Rolle spielen. Insbesondere bildet sie aber die Grundlage dafür, evolutive Transformationen auf der phänotypischen Ebene zu rekonstruieren, evolutive Szenarien zu testen und auch um Fossilien im System einzuordnen.


