Zeit: 29.11.07, 17.15 Uhr
Gewässer aller Art sind auf vielfältige Art mit ihrer terrestrischen Umgebung verzahnt. Im Grenzbereich Wasser-Land finden wichtige Ökosystemprozesse statt. Meist weisen diese Ökotone die höchste Biodiversität bzw. die höchste Produktivität des gesamten Einzugsgebietes auf. Ungestörte hydrologische Muster mit Überschwemmungen und Trockenphasen (Flutpuls) ermöglichen die abwechselnde Nutzung von terrestrischer Biomasse durch aquatische Organismen und umgekehrt. Anders als in traditionellen Konzepten beschrieben, weisen auch Oberläufe von Fließgewässern Überschwemmungs- und Feuchtgebiete auf, die in ihrer Gesamtheit die Größe von flächenhaften Feuchtgebieten weit überschreiten können, und die aufgrund ihrer Funktion als Kohlenstoffspeicher und hydrologischer Puffer von globaler Bedeutung sind. Weltweit vergleichende Untersuchungen an Bächen im WW-DECOEX-Programm haben gezeigt, dass in tropischen, nährstoffarmen Wäldern viele Baumarten Blätter produzieren, die nur extrem langsam abgebaut werden, und deren Blattmassen entweder als "Blatt-Torf" in den ufernahen Feuchtgebieten akkumulieren oder in die tiefergelegenen Flußauen eingetragen werden. Daraus ergibt sich die Hypothese, dass solche, in artenreichen, tropischen und geologisch alten Regionen vorkommenden Landökosysteme anders funktionierende Nahrungsnetze haben als solche in artenarmen, temperaten und geologisch jungen (eiszeitlich oder vulkanisch geprägten) Regionen. Untersuchungen mit stabilen Isotopen zeigen, dass (a) die benthische Primärproduktion durch Algen, (b) kurzfristig vorhandenene, aber energiereiche allochthone Nahrungsquellen (e.g., Blüten, Tierkadaver), und (c) die Flokkulation von DOC an abgelösten Biofilm-Partikeln eine viel größere Rolle spielen als bisher angenommen.


