Zeit: 21.06.07, 17.15 Uhr
bei der invasiven Ameisenart Linepithema humile
Das Phänomen der Eusozialität bei Insekten basiert maßgeblich auf der Fähigkeit der Arbeiterinnen, Nestgenossinnen von fremden Artgenossen zu unterscheiden, weil nur so gewährleistet ist, dass Ressourcen nicht an nichtverwandte Individuen verschwendet werden. Ameisen machen diese Unterscheidung durch Vergleich des chemischen Profils auf der Kutikula eines anderen Individuums mit dem eigenen Koloniegeruch, und Artgenossinnen aus verschiedenen Kolonien bekämpfen sich oft bis zum Tod. Bei invasiven Arten, die durch den Menschen in neue Habitate eingeführt werden und dort ökologische Dominanz erreichen, geht die Koloniestruktur jedoch verloren, und die Tiere sind selbst Individuen gegenüber nicht aggressiv, die aus Nestern in Tausenden km Entfernung stammen. So entstehen Superkolonien von enormer Ausdehnung und Dichte - in Südeuropa erstreckt sich z.B. eine einzige Kolonie über 6000 km - was dazu führt, dass alle anderen Ameisenarten durch rein numerische Überlegenheit verdrängt werden.
Obwohl die Existenz solcher Superkolonien weltweit gut dokumentiert ist, ist bis heute nur unzureichend geklärt, wie im Verlauf der Besiedlung neuer Habitate der Übergang zur Unikolonialität erfolgt. Da der Schlüssel zu den invasiven Eigenschaften dieser Arten offensichtlich in der Nesterkennung liegt, untersuche ich am Beispiel der Argentinischen Ameise Linepithema humile, wie die chemischen Erkennungsmerkmale mit der genetischen Populationsstruktur zusammenhängen und welche Unterschiede es in den chemischen Profilen zwischen ursprünglichen und eingeschleppten Populationen gibt. Hieraus können Rückschlüsse auf den Mechanismus der Invasion gezogen werden, die einen ersten Schritt zur wirksamen Bekämpfung dieser Art darstellen.


