Schwämme (Phylum Porifera) sind die ältesten und einfachsten Metazoen, verbreitet in allen aquatischen Habitaten von den Polen bis in die Tropen. Sie sind von vielfältigem Interesse für die Forschung, denn Schwämme sind, zum Beispiel, mit die potentesten Produzenten von bioaktiven Substanzen im Meer, die für die Entwicklung neuartiger Medikamente genutzt werden können. Durch ihre Stellung an der Basis der Metazoen sind sie von großem evolutionsbiologische Interesse, denn sie haben das Potential, uns etwas über den letzten gemeinsamen Vorfahren der Metazoa zu verraten.
Im ersten Teil des Vortrags wird ein allgemeiner Überblick über die geobiologische und evolutionäre Bedeutung von Schwämmen, sowie über die laufende Diskussion der "Deep Phylogeny" von Poriferen und Diploblasten gegeben. Obwohl das Phylum Porifera gut durch morphologische Merkmale als Monophylum begründet ist, legen neuere Arbeiten, überwiegend basierend auf der Analyse ribosomaler DNA Sequenzen, deren Paraphylie nahe, wonach die Kalkschwämme (Calcarea) näher mit den Eumetazoen verwandt sein sollen als mit den restlichen Schwämmen (Demospongiae und Hexactinellida). Nach dieser Hypothese wäre der gemeinsame Vorfahre aller Eumetazoa ein schwamm-ähnlicher Organismus gewesen, allerdings ist diese Hypothese bislang durch Sequenzdaten nur schwach gestützt. Auch gibt es bislang noch kein gut begründetes phylogenetisches System innerhalb der einzelnen "Klassen" der Schwämme. Neueste Ergebnisse bezüglich der Evolution der Hexactinellida und Calcarea werden präsentiert, wobei insbesondere der unterschiedliche Grad an Homoplasie morphologischer Merkmale in den beiden Taxa bemerkenswert ist.
Im zweiten Teil des Vortrags werden Untersuchungen über die Biodiversität und Phylogeographie von australischen Schwämmen vorgestellt, wobei morphologische und molekular-systematische Methoden zum Einsatz kamen. Untersuchungen von zwei Modell-Taxa, den weit verbreiteten Korallenriff-Schwämmen Leucetta chagosensis und Pericharax heteroraphis, zeigten, dass diese relativ nah verwandten Arten deutlich unterschiedliche phylogeographische Muster aufweisen. L. chagosensis Populationen sind entlang der australischen Ostküste deutlich genetisch strukturiert, kongruent über zwei unabhängige Loci (rDNA ITS und ein nukleares Intron), mit zwei tief-divergenten Kladen im nördlichen und südlichen Großen Barriere Riff. P. heteroraphis hingegen zeigt keine ausgeprägte genetische Differenzierung entlang des Großen Barriere Riffs, unter Verwendung der gleichen molekularen Marker. Diese Ergebnisse lassen nun Rückschlüsse über die Steuerungsfaktoren zu, die die heutigen Verteilungen und Beziehungen der untersuchten Populationen beeinflusst haben (z. B. Larvenverbreitungspotential, Meeresspiegelschwankungen), und haben weitreichende Implikationen für die Konservation der Biodiversität an der australischen Ostküste und im Korallenmeer.
Zeit: 11.01.2007, 17.15 Uhr


