Ort: Hörsaal des Museum Alexander Koenig
Zeit: 02.02.06, 17.15 Uhr
Zeit: 02.02.06, 17.15 Uhr
Prof. Dr. Manfred Ayasse
Universität Ulm
Chemische Mimikry als Bestäubungsstrategie bei Sexualtäusch-Orchideen
Blüten von Sexualtäuschorchideen imitieren in Form, Farbe und im Duft Weibchen ihrer Bestäuberarten und veranlassen so die Männchen zum Landen auf Blüten und zu "Pseudokopulationen", wodurch die Bestäubung erfolgt. Bei den Bestäubern der hauptsächlich im Mediterranraum vorkommenden Gattung Ophrys handelt es sich hauptsächlich um Bienen- und Wespenmännchen.
In einem vergleichenden Ansatz wurden die verhaltensauslösenden Substanzen in den Sexualpheromonen mehrerer Bestäuberarten sowie in den Blütenduftstoffen der von ihnen bestäubten Ophrys-Arten identifiziert. Die Duftbouquets der Orchideen und virginellen Bestäuberweibchen zeigen in Abhängigkeit vom Bestäubersystem eine große Übereinstimmung.
Ophrys-Arten locken ihre Bestäuber mit einem artspezifischen Duftbouquet an, welches hauptsächlich für die Artisolation zwischen einzelnen Arten verantwortlich ist. Duftvariation und Hybridisierungsvorgänge können einen ersten Schritt Richtung Artbildung darstellen, wenn die Hybriden einen neuen Bestäuber anlocken, für den andere sympatrische Ophrys-Arten nicht attraktiv sind. In einem vergleichenden Ansatz untersuchten wir bei Ophrys-Arten und Hybridschwärmen die intra- und interspezifische Variation von Blütenmerkmalen und diskutieren deren Bedeutung bei der sympatrischen Artbildung.
Bei allen Sexualtäuschblumen sind Bestäuberbesuche in der Regel sehr selten. Im letzten Vortragsteil werden verschiedene Strategien vorgestellt, die zeigen, wie Ophrys-Blüten mit chemischen Signalen das Verhalten von Bestäubermännchen manipulieren und damit ihren reproduktiven Erfolg erhöhen.


