Ort: Hörsaal des Museum Alexander Koenig
Zeit: 26.01.06, 17.15 Uhr
Zeit: 26.01.06, 17.15 Uhr
Prof. Dr. Christian Sturmbauer,
Institut für Zoologie, Uni Graz
Interspezifische Hybridisierung - Ein dritter Modus der Artentstehung bei Tanganyika-Buntbarschen?
Der Tanganjikasee beherbergt etwa 300 endemische Buntbarsche, die als Modellsystem zur Erforschung der explosiven Artentstehung gelten. Die Lamprologus-artigen Buntbarsche sind die artenreichste Buntbarschgruppe innerhalb der Tanganyika-Radiation. Sie sind alle Substratbrüter und haben parallel zu den maulbrütenden Linien eine beeindruckende ökologische Vielfalt hervorgebracht. Einige Arten weisen komplexe Sozial- und Fortpflanzungsverhalten auf oder brüten in leeren Schneckenhäusern. Die Rekonstruktion ihrer Phylogenie auf Basis molekulargenetischer Methoden hat mehrere Fälle von interspezifischer Hybridisierung zwischen Arten aufgezeigt, die zuvor mehrere Millionen Jahre eigenständig evolviert sind. Anhand mehrerer Fallbeispiele wird dargestellt, dass alle "Hybridarten" auf spezifische Umweltsituationen zurückzuführen sind. Die vorliegenden Befunde zeigen, dass durch Hybridisierung neue "transgressive" Phänotypen entstehen, die sich manchmal im Zuge des Radiationsprozesses als eigenständige Art etablieren. Ich schlage vor, dass die Lamprologus-artigen Buntbarsche auf Grund einiger Besonderheiten in Bezug auf ihr Sozial- und Brutpflegeverhalten stärker als maulbrütende Buntbarsche zu Hybridisierung neigen.


